es lohnt sich die zeit zum lesen zu nehmen

Auf euch wartet nun ein sehr, wirklich sehr langer Text. Aus einem Buch das mir den Atem raubt. Dieser Ausschnitt hat mich besonders berührt. Ihr müsst es einfach lesen. - Der Menschenmacher von Cody McFadyen -

"Guten Abend. Mein Name ist David Rhodes, und ich möchte Ihnen danken, dass Sie heute Abend hergekommen sind, um den möglicherweise kostspieligsten Hummerschwanz auf diesem Planeten zu verspeisen." Er hielt inne, lächelte, gab dem Gelächter Zeit, sich zu erheben und wieder zu verflachen. "Ich möchte gleich anfangen und den Leitgedanken meines Vortrags heute Abend nennen, der folgendermaßen lautet: Wenn man einem Kind Leid zufügt, tötet man einen Teil der Zukunft. Etwas geht unwiederbringlich verloren, etwas, das hätte sein können." Er sah seinen Zuschauern in die Augen. "Okay so weit? Darüber möchte ich heute Abend zu Ihnen sprechen. Aber gehen wir ein paar Schritte zurück. Ein Prolog wäre angebracht, eine Einführung. Wer ich bin? Irgendein Typ im Smoking, der scharf auf Ihre Kohle ist? In der Tat das bin ich. Aber ich bin willens, für meine Kohle zu singen und zu tanzen und den Affen zu machen, und im Lauf der Jahre habe ich festgestellt, dass ich das ziemlich gut beherrsche. Warum? Weil ich ehrlich bin. Weil ich die Wahrheit sage. Viele Leute die vorgeblich das Gleiche tun wie ich, stellen sich vor ein Publikum, hinter den Rednerpult und lügen es an. Oh, diese Leute halten sich nicht für Lügner. Sie meinen es gut, im Großen und Ganzen, aber sie sind nicht bereit, sich selbst einzubringen. Alles von sich preiszugeben. Und wir alle wissen wenn das passiert, nicht wahr? Eine Stimme in uns sagt -er erzählt nur eine Gesichte- oder -sie hat bloß ihre Maske aufgesetzt-. All die gesellschaftlichen Mechanismen, die Floskeln, die präzisen Bewegungen beim Heben der Teetasse, alles schön und gut - wenn wir es mit Diplomatie zu tun haben." Er hielt inne, ließ den Augenblick einwirken. "Aber sie sind nicht mehr schön und gut, wenn wir über die hässlichen Dinge auf der Welt reden. Wenn wir über diese Dinge sprechen, dann wollen wir, das der Mann oder die Frau, die zu uns reden, sich eine Zigarette anstecken, ihre Krawatte lockern und sagen, wie es ist. Ohne Schönfärberei." Er griff sich an den Hals. "Ich rauche nicht, aber fangen wir bei der Fliege an." Leises Gekicher ging durch Publikum, als er seine Smokingfliege öffnete. Manches Kichern war nachsichtig, das meiste aber nicht. Gut so. Denn das bedeutete, dass das Theater, welches keines war, funktionierte. "Ich besitze nur wenige Dinge im Leben", fuhr er fort. "Meine Mutter starb als ich 6 Jahre alt war. Meinen Vater habe ich nie gekannt. Mutter war eine Waise, also sind Großeltern für mich nur eine abstrakte Vorstellung. Was ich habe, in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit, sind: meine Tochter, meine Worte und die Stiftung. Sie denken jetzt wahrscheinlich die Stiftung sollte an zweiter Stelle stehen, aber Tatsache ist, ohne die Worte hätte es die Stiftung niemals gegeben. Kriminalromane mögen niemals als -Literatur- betrachtet werden, aber.." an dieser Stelle grinste er. "sie helfen auf jeden Fall, die Rechnungen zu bezahlen. Ich habe das Talent, Worte so zu benutzen, dass Menschen ein Bild sehen. Wenn ich es richtig anstelle, erweckt dieses Bild in ihnen ein Gefühl, einen Gedanken, und bringt sie dazu, etwas zu glauben. Oder, in unserem Fall -wie ich hoffe- etwas zu tun. Die Frauen in meinem Leben, so wenige es auch gewesen sind, haben im allgemeinen festgestellt, dass es mir an viele Dingen mangelt. Die meisten von ihnen waren angezogen von meinen Worten, nur um erschrocken festzustellen, dass es in meinem privaten Leben an Worten mangelt. Eine hat sogar zu mir gesagt, wortwörtlich: du hast ein verkrüppeltes Herz. Vielleicht hatte sie Recht. Aber ich habe meine Worte, und ich hoffe inbrünstig, dass ich sie heute Abend richtig benutze, um Sie das Bild sehen zu lassen, das ich Ihnen unbedingt zeigen möchte." Eine letzte Pause, zwei Herzschläge, und er fühlte sich bereit. Sie hörten ihm zu, und nicht nu oberflächlich. Sie wollten erfahren, was er zu sagen hatte. Sie wollte die Geschichte. " Also gut, fangen wir an. Jeder von uns ist die ganze Welt. Was ich damit meine? Nun, es gibt nichts Wichtigeres auf der dieser Erde als das Leben. Wir werden geboren, wir träumen, wir leben, wir werden alt, wir sterben. Egal, ob wir unser Leben richtig führen oder nicht, ob wir die Augenblicke genießen, während sie vorüberziehen - nur wenige von uns wünschen sich, dass das Leben endet. Selbst die Ärmsten erheben sich jeden Tag aufs Neue, um zu essen. Kinder verkörpern den Anfang von allem, für jeden von uns. Sie sind der Nullpunkt, der Ort, an dem alles möglich ist, alles jung, alles neu. Sie sind das reine Leben, bevor es von unserem Dreck verunreinigt wird. Von unseren Betrügereien, unseren Scheidungen, unseren Fehlern als Eltern, unseren Pleite gegangenen Geschäften und unserer Nikotinsucht. Es gab eine Zeit, so kurz sie auch gewesen sein mag, als wir uns darauf gefreut haben, morgens aufzuwachen. Als jeder Morgen die Möglichkeit enthielt, neue Abenteuer zu erleben, und das hatte nichts mit Macht, Geld oder Sex zu tun. Es hatte mit einer Art Energie ins uns zu tun, einem ungetrübten Glauben, der mit den Jahren immer mehr erlischt. Wir sehen ein Kind, und wir sehen diese Möglichkeiten. Wir sehen uns selbst, bevor unser Glanz stumpf wurde. Nun, es gibt unglaublich viele Menschen auf der Welt. Man kann zehn Kinder töten, hundert Kinder, tausend Kinder, und sie gehen geräuschlos unter. Irgendjemand hat mal eine Statistik veröffentlicht, nach der jedes Jahr zehn Millionen Kinder sterben. Ich weiß nicht, ob diese Zahl stimmt oder nicht, aber spielen wir doch ein wenig mit dieser Zahl. Aufgeteilt erhalten wir 1142 Kinder die Stunde. Überlegen Sie. Elfhundert Kinder sind in der vergangenen Stunde gestorben, während wir hier sitzen und unseren Hummer genießen." Er zuckte die Schultern. " Das Leben geht weiter. In tausend Jahren sind diese elfhundert Kinder nicht einmal mehr Staub. Sie sind vollkommen vergessen. Es ist, als hätten sie nie existiert, als hätten sie nie diese besondere Energie besessen, und als hätten nie all diese Möglichkeiten in ihnen gebrannt. Berge erheben sich, Ozeane trocknen aus, und das Leben geht einfach weiter. Worauf ich hinauswill? Dass es leicht ist, die Spur eines einzelnen Sandkorns aus den Augen zu verlieren, wenn man es auf einen Strand wirft. Ich bin hier, um den Fokus enger zu stellen. Um Ihnen zu zeigen, dass es keine Sandkörner sind, über die wir hier reden, sondern die Leichen unserer Kinder. Zoomen wir also heran an den Strand, einverstanden? Ein Hauptaugenmerk der Innocent Foundation liegt auf dem Handel mit Kindern. Genaue Zahlen sind nur schwer zu bekommen,deshalb benutze ich einfach die Zahlen, die die UNICEF vor längerer Zeit veröffentlicht hat: eins Komma zwei Millionen. Eins Komma zwei Millionen Kinder Jahr für Jahr, die in die Sklaverei verkauft werden. Sexuelle Sklaverei oder andere. Das macht einhundertsiebenunddreißig Kinder pro Stunde Das ist eine unglaubliche Zahlt. Aber sie bringt uns ein ganzes Stück näher heran an den Strand, finden Sie nicht? Wir können diese Zahl begreifen, so furchtbar sie ist. Wir fangen an zu verstehen. Zurück zu meiner Eingangsfeststellung, als ich an das Pult getreten bin, um Sie zu langweilen. Ich sagte: Wenn man einem Kind Leid zufügt, tötet man einen Teil der Zukunft. Etwas, das hätte sein können, geht unwiederbringlich verloren. Ich weiß das Leben geht weiter. Kinder werden Erwachsene. Und ja, es gibt Beispiele von missbrauchten Kindern, aus denen Ärzte, Anwälte, Politiker geworden sind. Aber bedenken sie Folgendes: Was wäre aus einigen dieser Kinder geworden, hätten sie keinen Missbrauch erlebt? Wäre aus einem guten Arzt ein phantastischer Arzt geworden? Hätte ein passabler Schriftsteller am Ende den Pulitzerpreis gewonnen? Gehen wir noch ein bisschen tiefer. Untersuchen wir ein einzelnes dieser Sandkörner, das in tausend Jahren weniger als Staub sein wird. Vor ungefähr fünf Jahren habe ich einen jungen Mann kennengelernt. Nennen wir ihn James. Als ich ihm begegnet bin, war James sechzehn Jahre alt. Er stand wegen Vergewaltigung dreier jüngerer Knaben vor Gericht. Es gab keine Rettung für James, doch jemand hatte mir seine Geschichte erzählt, und er erklärte sich einverstanden, sich mit mir zu treffen. Ich war überrascht, als ich ihm zum ersten Mal begegnet bin. Er war nichts. Ein Niemand. Ein Schluck Wasser, wie es so schön heißt. Fünfzig Kilo mit Kleidung, keine eins siebzig groß. Sein Gefängnisoverall schlackerte ihm am Leib, und er sah merkwürdig fehl am Platz aus. Er war so klein, so weich trotz aller äußerer Härte, und er stand im Begriff, in eine Umgebung abgeschoben zu werden, die ihn ein für alle Mal kaputtmachen würde. Was mir als nächste auffiel, war seine ungewöhnliche Stille. Er war beinahe scheu. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein so scheuer Bursche kleinen Jungen etwas so Grausames angetan haben sollte. Wir unterhielten uns lange Zeit. James war, wie sich herausstellte, als Junge von seinem Vater sexuell missbraucht worden. Es fing an, als er fünf Jahre alt war, und es umfasste jede Form von sexuellem Missbrauch, die Sie sich vorstellen können. Als James acht war, begann sein Vater, ihn mit anderen Männern zu teilen. Wenn er sich zu wehren versuchte oder protestierte, zog sein Vater ihn nackt aus, schlug ihn, vergewaltigte ihn und sperrte ihn anschließend mit einer dünnen Decke und unzulänglicher Kleidung in den Keller. Das war in Minnesota, und James hat mir erzählt das die Winter in Minnesota kalt genug werden konnten, dass das Wasser im Keller um die Sumpfpumpe herum gefror. Er hatte im Keller gelegen, im Winter, kurz vorm erfrieren, im Sommer halb verdurstet, ohne Toilette, mit Nichts als Brot und Wasser. Wenn sein Vater besonders schlecht gelaunt war, ließ er James zwei Wochen und länger im Keller schmoren. Als James vierzehn war, erfuhr er, dass er HIV Positiv war. Sie haben richtig gehört. Er war irgendwann infiziert worden. Das Gute daran war, es gab eine Untersuchung, und James wurde aus der Obhut seines Vater entfernt. Die Kehrseite der Medaille - der angerichtete Schaden war irreversibel, und er höre nicht bei James auf. Zwei der drei Jungen, die er vergewaltigt hatte, wahren ebenfalls HIV Positiv. " Sämtliches Besteck lag auf den Tellern. Er hatte ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. "Bevor jetzt irgendjemand anfängt, sich zu fragen oder zu überlegen, lassen Sie mich eins klarstellen. Kein Cent vom Geld der Foundation wurde dafür ausgegeben, James zu helfen, und dabei wird es bleiben. Er hatte die Grenze überschritten, war selbst zum Kinderschänder geworden, und wir unterstützen keine Kinderschänder, niemals und unter gar keinen Umständen. Das habe ich im Verlauf unseres Gesprächs auch zu James gesagt. Ich habe ihn gefragt, ob ich seine Geschichte trtotzdem erzählen darf. Ich sagte ihm, vielleicht würde es helfen, andere Jungen und Mädchen die Erfahrungen zu ersparen, die er gemacht hatte. Wissen sie, was er geantwortet hat?" Er sah den Jungen vor seinem geistigen Augen. Sein richtiger Name war Simon gewesen, nicht James. Er hatte zu David aufgeblickt, und die Leere und Trauer in seinen Augen waren überwältigend gewesen. "Nichts kann verhindern das so etwas passiert- sagte James zu mir. Zwei Jahre später starb James. Er verweigerte jede antiretrovirale Medikamentierung und erkrankte im Gefängnis an AIDS." Stille. Aber es war noch nicht vorbei. "Nicht lange nach seinem Tod setzte sich der Gefängniskaplan mit mir in Verbindung. Er sagte, James hätte im Gefängnis eine Reihe an Zeichnungen angefertigt . Kohlezeichnungen. Er sagte James hätte ausdrücklich gebeten, dass diese Zeichnungen an mich weitergegeben wurden." David nickte nach hinten. "Das erste Bild bitte." Auf der Leinwand erschien das Gesicht einer Frau, eine Kohlezeichnung. Die Frau war von vorne zu sehen, mit leicht gesenktem Kinn. Das Haar war dich und unbändig, und die Augen schienen den Betrachter direkt anzublicken, während ihre Lippen süffisant grinsten. Es sah aus wie eine durchgeknallte Mona Lisa. Es war umwerfend. "Das nächste Bild bitte.." Es zeigte einen jungen Mann. Er war nackt und er war auf den Knien. Er hatte die Arme himmelwärts erhoben, und auf seinem Gesicht lag ein Ausdruck tiefer Frömmigkeit. Es sah aus, als wäre alles Flehen der Menschheit in dieses Bild gebündelt. "Als James missbraucht wurde, wurde uns allen etwas genommen. Etwas wunderbares. Überlegen sie: wenn er diese Zeichnungen mit sechzehn anfertigen konnte, nachdem er zeitlebens missbraucht worden war - welch großartige Werke hätte er schaffen können, wäre er in einem liebenden Elternhaus großgeworden? Nur ein Sandkorn. In tausend Jahren weniger als nichts. Hätten wir nicht genau hingeschaut, wir hätten niemals erfahren, dass es überhaupt existiert hat. Doch das war das letzte Geschenk von James, meinen sie nicht auch?  Uns zu zeigen, das es nicht bloß Sand ist, auf dem wir gehen? Sondern das der Strand aus millionen Diamanten besteht, die hätten gewesen sein können." Der Projektor blinkte  und auf der Leinwand erschien ein neues Bild. David hörte die Schreckensrufe, mit denen er schon gerechnet hatte. Es war ein Bild von einem Rücken. Die Haut war eine Straßenkarte von kreuz  und quer verlaufenden Narben: Striemen und Brandmale, Furchen und Risse. Sie begannen an den Schulterblättern und setzte sich fort bis zum Ende des Fotos. "Das Bild zeigt den Rücken eines 15 jährigen Jungen. Er wurde im Alter von knapp 7 Jahren von einem Mann namens Robert Gray adoptiert." Ein neues Bild erschien. Diesmal in schwarz weiß. Es zeigte einen Mann, Ende vierzig. Er war auf seine Weise attraktiv mit kurz geschnittenem Haar und schmalem Gesicht. Seine Augen funkelten hinter der Brille, und sein Lächeln war herlich. "Robert Gray war Angehöriger der Polizei von Austin, Texas. Er war Vietnam-Veteran und mit einem Puprle Heart ausgezeichnet. Er hatte kein Vorstrafenregister, und in seiner Personalakte fanden sich zahlreichende Auszeichnungen für seine Arbeit als Polizeibeamter. Robert nutze seine Verbindungen, um drei Kinder zu adoptieren. Eines davon war der Knabe, dessen Rücken sie gerade gesehen haben. Außer diesem Knaben gab es einen weiteren Jungen und ein Mädchen. Alle waren ungefährtgleich alt. Nach außen hin sah alles ganz sauber aus. Perfekt. Die Wahrheit war eine andere. Bob Gray war, verziehen Sie mir den Ausdruck, irrer als ein Zwei-Dollar-Obstkuchen. Bob folterte die drei Kinder regelmäßig. Wenn er mit Foltern fertig war, steckte er sie in die Kammer, damit sie 'über alles nachdenken' konnten. Die Kinder blieben all diese Jahre in dem Haus eingesperrt vom siebten bis zum fünfzehnten beziehungweise sechszehnten Lebensjahr - dem Tag, an dem Bob Gray starb. Sie durften das Haus niemals verlassen. Als die Kinder gefragt wurden, warum Bob ihnen das angetan habe, antwortete eines von ihnen er hätte versucht, sie dadurch zur Weiterentwicklung anzuhalten. Zu evolvieren. Zu etwas zu werden was Friedrich Nietzsche als den Übermenschen bezeichnet hatte. Bob Gray war überzeugt, dass er die Kindern zwingen konnte, notfalls mit Gewalt, sich zu etwas zu entwickeln, das größer war als die Menschen. Vor etwas mehr als zehn Jahren habe ich die Innocence Foundation gegründet. Die Idee dahinter war zunächst ein wenig unbestimmt. Ich war ein Bestsellerautor mit ein bisschen Geld, der etwas Gutes tun wollte. Ich wollte Kindern wie James helfen, Kindern wie den dreien, die Bog Gray fast zehn Jahre gequält hat. Ich war damals nicht sicher, wie genau ich das anstellen sollte. Die Foundation sollte helfen können, wo auch immer nötig, ob es dabei um etwas so Einfaches ging wie das Speisen eines hungrigen Kindes oder etwas so Komplexes wie das Anheuern einer ganzen Armee von Privatdetektiven in verschiedenen Ländern, um Inrofmationen über sie Produzenten von Kinderpornographien zu erhalten. Deswegen hielt ich den Zweck der Stiftung einfach. Wir helfen Kindern in Not. Unsere Arbeit besteht darin, Unschuld zu bewahren. Nicht ein Cent findet jemals den Weg zu jemanden, der mitgeholfen hat, einem Kind zu schaden, selbst wenn dieser Jemand selbst noch ein Kind ist, wie im Fall von James. Wir sind keine Organisation die nur Informatienen beschafft, wir sind eine Organisation die handelt. Helfen wir jedem Kind? Natürlich nicht. Es ist ein großer Strand, sie erinnern sich? Aber wir helfen jedem Sandkorn das wir finden. Das verspreche ich Ihnen. Manchmal ist das Gesamtbild eher hinderlich. Manchmal muss man die Bäume betrachten und nicht den Wald." Der Rhytmus verlangsamte sich, doch er hielt nicht an, noch nicht. Es war ein Fluss aus Stimmen und zielstrebiger Bewegung. "Letzten Endes bin ich mir bewusst, dass sich alles um die Frage des Vertrauen dreht. Den Mann an der Spitze. Wer ist dieser Bursche? Warum sollten Sie ihm Ihr Geld anvertrauen? In dieser Zeit globaler Finanzbetrügereien und falschen Wohltätigkeitsorganisationen - welchen Impuls gibt es da optimistisch zu sein?"  David öffnete die Smokingfliege und zog sie aus. Als Nächstes kam die Jacke. Er redet weiter, während er die Manschetten seines Hemds aufknöpfte. Das Publikum beobachtete ihn mit stummer Faszination. Selbst diejenigen, die bereits wussten, was als Nächstes kam oder die es schon einmal gesehen hatten, konnten den Blick nicht von ihm nehmen. "Der Mann, der eine solche Organistaion leitet, sollte Erfahrungen in diesen Dingen haben. Er sollte nicht nur die Zahlen und die Fakten kennen, sondern die Realität dahinter. Er sollte nicht nur von leidenschaftlicher Überzeugung gelenkt sein, sondern Erfahrung auf dem Schlachtfeld haben. Was also, werden Sie sich fragen, macht einen Krimiautor zum vertrauenswürdigen Repräsentanten einer Organisation wie der Innoncent Foundation?" Auf der Leinwand erschien nochmal das Bild der vernarbten Knabenrückens, rechtzeitig während David die letzten Knöpfe seines Hemd öffnete und es abstreifte. Das Publikum gaffte mit offenen Mündern. David beugte sich vor, um ins Mikrofon zu sprechen. "Der Knabe auf der Leindwand.. bin ich." Er drehte sich um. Der Rhythmus hatte die Kontrolle übernommen und steuerte nun alles. Die Narben auf seinem Rücken waren stumm, doch sie erzählten jene Geschichte, die erzählt werden musste.